Gone Girl

Der Riesenerfolg von Autorin Gillian Flynn basiert auf der großartigen Idee, einen Thriller nicht als Thriller zu schreiben, sondern als tagebuchartige Erzählung. Die kultig-moderne Sprache, die wechselnde männliche-weibliche Sichtweise erinnern mich teilweise an meine Lieblingsbücher von Nick Hornby oder Bret Easton-Ellis. Geschickt ist an eine Lesergruppe adressiert, welche mit iPads und eBooks unterwegs ist und seit langem auf so ein Buch wartet. Es wird erfreulicherweise immer öfters gelesen – und nicht nur in der langen Warteschlange am Flughafen, wo ich das Buch begonnen und anschließend kaum noch weglegen konnte. Die englische Originalfassung ist wirklich genial, und von der deutschen Übersetzung hat man die gleiche Erwartung. Berechtigt. Die deutsche Fassung ist leichter zu lesen, jedoch verliert etwas an Farbe. Die Story und die Spannung bleibt jedoch sprachunabhängig gleich.
Es stellt sich nebenbei die Frage, wie authentisch die Darstellung der Eheproblematik ist. Die Autorin, glücklich verheiratet, hat schon selbst nachgedacht wegzulaufen? Wie sie es erzählt, ist sie selbst erst frisch verheiratet, als sie über die Krise bei Nick und Amy bereits nachgedacht hat. Ihre beiden früheren Bücher thematisierten, wie Einsamkeit zur kriminellen Handlung führen kann. Und jetzt wird analysiert, welche seelische Belastung eine plötzliche „lebenslange“ Bindung zu einer anderen Person – genannt „Ehe“ – mit sich bringt. Das Buch stellt stärker tiefgehend menschliche Fragen, als es von einem Thriller zu erwarten ist. Zum Beispiel als Nick gleich am Anfang des Buches markant formuliert, die meistgestellten, jedoch selten offen ausgesprochenen Fragen lauten: Woran denkst Du gerade? Was spielt sich in deinem Kopf ab? Wie könnte ich irgendwie reinschauen? Vergleichbare Fragen habe ich teilweise in meinem Buch „iCan – ich und das Zen“ schon gestellt. Die erwähnte Fragestellung hat etwas mit unsicherem Ego, kombiniert mit Eifersucht zu tun. Sollte eigentlich nicht egal sein, was unserer Lebenspartner gerade denkt? Was ist mit der persönlichen Denkfreiheit? Entweder müssen die obigen kritschen Fragen verschwinden – oder das „Girl“, lehrt uns der Thriller. Mein Vorschlag wäre jedoch die erste Variante.
Ich bin nur leicht enttäuscht, dass nicht ich das Buch geschrieben habe… Chapeaux!

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Steve Jobs in der Wolke?

Danke, Steve Jobs!

 In meinem ersten Buch vor anderthalb Jahren habe ich einiges über Meditation und Zen geschrieben. Zu den fernöstlichen Kulturen gehört auch die alte Wolkentheorie. Demnach schwebt das gesamte Wissen der Menschheit irgendwo „oben“. Die erfahrenen Menschen geben ständig etwas dazu, und die neuen, jungen können sich davon bedienen. Eine weiterführende Theorie besagt, dass die menschlichen Seelen ebenfalls in der Wolke landen, und durch Reinkarnation ein neues Leben anfangen können.

 Blödsinn. Ich bin Skeptiker. Und Techniker. Ich gehöre zur „Generation Computer“ wie Steve Jobs und Bill Gates. Ich habe miterlebt, als die ersten Geräte wie Atari, Commodore, PC und Mac sich verbreitet haben. Ich habe die Aktivitäten und Herausforderungen der damaligen Kämpfer als Software-Entwickler mitverfolgt. Als das World Wide Web uns plötzlich beherrschte, sowie Google und Wikipedia kamen, habe ich gespürt: ja, unsere „Wolke“ ist endlich da! Ich – und noch viele andere – hatten schon immer ähnliche Ideen. Jedoch wäre das alles ohne Visionäre und Umsetzer wie Jobs nichts geworden. Warum war aber Steve Jobs noch mehr als Visionär? Er wollte nicht einfach unsere vorhandenen Wünsche erfüllen. Er hat uns die Wünsche selbst vorgestellt. Und es hat gepasst!

 Ohne Steve Jobs wäre ich wahrscheinlich auch kein eBook-Autor geworden. Erst als das iPad im April 2010 uns überraschte, wusste ich, dass meine Zeit gekommen ist. Meine Bücher waren und sind eine Hommage an Apple. Mein erstes Buchtitelbild für das „iCan – Ich und das Zen“ war eine iPad Rückseite. Das Apfel-Logo war jedoch voll, weil ich noch etwas dazu geben wollte…  Im Buch „iScream“ schicke ich meine „Tochter“ auf Vampirsuche, mit Hilfe von zwei iPads. Im „iDiot in New York“ läuft Holden, ein echter Apple-Freak, von Store zu Store mittels iPhone-Navigation. Und im Buch „iDream“ ziehe ich das tropical iPad aus dem Sand, um die selbst entwickelte Software, die meine Bücher automatisch schreibt, zu testen.

 Steve Jobs hat in letzter Zeit noch einiges Revolutionäres aufgesetzt. Die Pläne für die futuristische neue Apple-Firmenzentrale in Cupertino, das iOS 5, der Lion und das iPhone 5, welches fast noch „rechtzeitig“ herauskam. Und die Wolke! Mit iCloud ermöglicht uns Apple kostenfreie Dienste, die die Datenhaltung neu definieren.

 Steve Jobs war ein Zen-Buddhist. Er glaubte sogar an Wiedergeburt. Und wenn ER dies sagt, dann nehme ich es auch ernst. Er schwebt für mich jetzt da oben, in seiner eigenen Wolke…

Danke, Steve Jobs!

Gabor Pox, 08.10.2011